HAP - KI - DO

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Choi Yong-Sul (1904 - 1986), der Urahn des Hapkido
Eine der Persönlichkeiten, welche die Entwicklung der koreanischen Kampfkünste am meisten beeinflusst hat, ist Choi Yong-Sul. Obwohl er die von ihm ausgeübte Kunst selbst nie als Hapkido bezeichnet hat, beginnt mit ihm die Hapkidogeschichte.

Er wurde am 21.06.1904 während der japanischen Okkupation in der Provinz Chung Buk geboren. Mit frühen Jahren verlor er beide Elternteile. Im Alter von acht Jahren wurde er, wie viele andere koreanische Waisen, von einem japanischen Unterneh-mer mit nach Japan genommen, um in dessen Haushalt als Diener zu arbeiten. Er wechselte mehrmals seine Zieheltern, trieb sich viel auf der Strasse herum, lebte in einem Tempel in Kyoto und landete schließlich als Diener im Haushalt von Takeda Sokaku. Choi sagte in einem seiner letzten Interviews, er wäre als Adoptivsohn an-genommen worden. Takeda war ein großer Kampfkunstmeister und übte sein Sys-tem Daito-Ryu-Aiki-Jutsu aus. Nach Chois Angaben gehörte er auch einem De-monstrationsteam Takedas an, welches 1932 in Hawaii dessen Kampfkunst vorführ-te. Auch Morihei Uyeshiba, der spätere Begründer des Aikido, war Takedas Schüler. Diesen traf Choi im Jahre 1915.

Nach dem Selbstmord Takedas durch Hungertod kehrte Choi im Winter 1943 per Schiff nach Korea zurück, das er in Pusan erreichte. Er nahm einen Zug in die Stadt Taeku. Während der Reise ging eine seiner Reisetaschen verloren. Choi sagte, dass darin sein Geld wie auch alle seine Nachweise, welche sein Kampfkunsttraining in Japan belegten, gewesen seien.

Der Streit geht heute dahin, ob Choi wirklich Schüler im Daito Ryu gewesen war. In den Schülerlisten der Schule findet sich weder sein koreanischer Name, was natür-lich ist, noch sein wahrscheinlich angenommener japanischer Name Yoshida. Aber als koreanischer Diener war er möglicherweise nie offizieller Schüler; - doch ob Ur-kunde oder nicht, nach dreißig Jahren im Haushalt des Meisters war er nachgewie-senermaßen 1945 ein Kampfkunstexperte.

Ohne Geld gab er seinen Plan der Reise in die Heimatprovinz Chung Buk auf und entschied sich in Taeku zu bleiben. Er wurde Straßenhändler für Brot. Nach einem Jahr harter Arbeit hatte er genug Geld gespart und begann mit einer Schweinezucht. Um seine Schweine füttern zu können, stand er jeden Morgen früh auf und ging zur Suh Brauerei, wo er kostenlos überschüssige Getreidespreu bekam. Suh Bok-Sub, der Sohn des Brauereibesitzers, war 1947 ein Yudo-Schwarzgurt und Absolvent der Korea-Universität. Viele Menschen standen jeden Morgen Schlange vor der Brauerei, um kostenlos Kornspreu zu erhalten. An einem besonderen Morgen sah Suh aus seinem Bürofenster im zweiten Stock und beobachtete, wie sich in der Warteschlan-ge ein Mann ohne große Mühe gegen mehrere Angreifer verteidigte. Er war sehr be-eindruckt und von seiner Beobachtung neugierig geworden, sandte er einen Ange-stellten, ihm diesen Mann in sein Büro zu bringen.

Suh fragte in seinem Büro den eintretenden Choi Yong-Sul: "Welche Kampfkunst hast Du praktiziert?" Choi entgegnete: "Warum fragen Sie?" "Ich bin Yudo-Schwarzgurt. Ich möchte Deine Kunst erlernen und sie im Wettkampf anwenden", erwiderte Suh. Choi bat Suh, sein Revers mit der rechten Hand zu fassen, die Hand-fläche nach unten. Als Suh zugriff, führte Choi ohne Schwierigkeiten einen Ellenbo-genhebel mit seiner linken Achselhöhle aus und warf Suh zu Boden. Sofort griff Suh erneut das Revers, diesmal mit der Handfläche nach oben. Choi drehte einfach Suhs rechtes Handgelenk entgegen dem Uhrzeigersinn und warf ihn wieder zu Boden. Nachdem er zweimal besiegt worden war, bat Suh, dass Choi ihn unterrichten möch-te. Er versprach ihm mehr Getreidespreu und außerdem auch Bezahlung für den Un-terricht. Als Choi zusagte, bereitete Suh ein Dojang in der Brauerei, wo Choi die Möglichkeit hatte, seine von ihm Yu Sul genannte Kunst zu unterrichten. Nach und nach erweiterte er die Techniken mit Schlägen und Fußtritten. 1953 eröffnete Choi zusammen mit Suh seine erste eigene Kampfkunstschule und begann, einige Schü-ler zu unterrichten. Auf einem Foto seines Dojangs von 1958 ist am Fenster der Na-me "Hapki Yu Kwon Sul" zu lesen. Zahlreiche der Schüler aus dieser Zeit haben spä-ter ihren eigenen Kampfkunststil entwickelt, wie In-Hyuk Suh (Kuk Sool Won), Joo-Bang Lee (Hwa Rang Do) und Han Jae Ji (Hapkido)

Nach Einigung der Tae Kyon Systeme zum Taekwon-Do Verband übte die koreani-sche Regierung Druck auf die Meister der verschiedenen Kampfkunstschulen aus. So entwarfen Choi Yong-Sul und Ji Han-Jae die Satzung der Korean Kido Associati-on und bewarben sich um die Anerkennung durch das Erziehungsministerium. Diese erfolgte letztendlich am 2. September 1968. Der erste Vorsitzende der Kido Associa-tion war Choi Yong-Sul, Vizepräsident wurde Suh In-Hyuk und Generalsekretär Kim Jung-Yun. Der Verband versuchte, die Kampfkünste bei Schülern, Polizeioffizieren und Offiziellen des Militärs zu fördern. Schließlich wurde der Verband von zwei Gruppen beherrscht: Hapkido und Kuk Sool. Im Laufe der Zeit kam es jedoch zu Dif-ferenzen zwischen den führenden Persönlichkeiten, welche dann zur Gründung di-verser weiterer Organisationen führte.

Choi zog sich aus der Verbandsarbeit zurück, unterrichtete privat seine Kunst aber weiterhin unter dem Namen Yu Sul. 1982 bereiste er auf Einladung amerikanischer Hapkidoin die USA. Er starb am 27.10.1986 im Alter von 82 Jahren und wurde in Taeku beerdigt. Im Gedenken an seinen zwanzigsten Todestag veranstaltet der in-zwischen gegründete Hapki Yu Sul Verband im Jahr 2006 einen internationalen Lehrgang.

Detlef Klos

Fotos:
Großmeister Choi Yong-Sul (1904 - 1986), der Urahn des Hapkido
Training in den achtziger Jahren
Der Grabstein Chois in Taeku
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